Jugendgottesdienst mit Ulrich Parzany

2005Ulrich Parzany im CVJM Jugendgottesdienst „LOGO“
am 19.12.2004

„The same procedure as every year?“

Why not? Also wenn das Ding (Weihnachten) nicht so gut wäre, dann würde es nicht jedes Jahr wiederholt werden. Worin liegt das Problem jedes Jahr Weihnachten zu feiern? Entweder hat man einen Grund zu feiern oder nicht!
In Deutschland ist diese Kultur ziemlich gut entwickelt, Hauptsache man hat einen Anlass.
Wo liegt das also Problem, warum stöhnen die Leute so? Konsumterror! Aber es ist zu beobachten, dass sensible Menschen dem durch Abflug auf die Seychellen oder in die Karibik entfliehen. Das geht doch wunderbar, man kann doch so alles  hinter sich lassen, diesen schrecklichen Trubel und sucht die besinnliche Einsamkeit in Sonne.
Wo liegt nun das eigentliche Problem? Das einzigste Problem, dass ich mit dem Weihnachtskram ernst nehme liegt in einem ganz anderen Bereich. In meiner früheren Aushilfstätigkeit in der Telefon-Seelsorge entsetzte mich wie heute die Tatsache, dass in der Weihnachtszeit die  Selbstmordrate dramatisch ansteigt. Das ist nun wirklich elendig, dass das Fest an dem die Botschaft, Freude die allem Volk widerfahren soll , bei vielen Leuten die einen lieben Menschen verloren oder denen Beziehungen zerbrochen sind, abstürzen in Depressionen und tiefer innerer Finsternis.
Für Leute die Probleme haben oder in Trauer sind, ist das Nahekommen des Weihnachtsfestes etwas ganz entsetzliches. Da kann was nicht dran stimmen!
Wenn das Fest, wie es im Lukasevangelium, in der Ankündigung heißt“ denen die in Finsternis und im Schatten des Todes sitzen“, ihnen die Sonne (das Licht) aufgehen soll – und die Leute in Verzweiflung abstürzen, sich das Leben nehmen – dann kann einfach was nicht stimmen.
49 % der Deutschen beabsichtigen an Weihnachten in die Gottesdienste zu gehen. Da jubelt mein Herz, da kann ich nur beten, dass ihnen das lebendige Wort Gottes in einer Predigt begegnet und nicht irgendein „Senf“.
Damit viele kapieren wo das Leben herkommt, was das für eine Chance ist und lasst uns drum beten, dass sie weitgehend genutzt wird.

Jedes Jahr ist  das gleiche Gesumms über Weihnachten zu hören. Man empört sich über soviel Heuchelei. Dabei kann doch jeder aus dem kommerziellem Weihnachten aussteigen. Schick ist die Entrüstung über die Oberflächenmentalität, dass Haben wollen,  über die ganze Gesellschaft. Das ist so gesund, dass man am Ende in selbstgerechter Herrlichkeit dasteht wenn man so über alle abgezogen hat.
Diese Empörung ist nicht 5 Cent wert. Weil, wenn es zur Sache geht und im einzelnen die Probleme in unseren Familien, Ehen und Gesellschaft  angepackt  werden sollen, dann ist plötzlich alles nicht so dringlich
Jeder mag sich überprüfen mit welcher Erwartung er an Jesus Christus heran geht.
Die Erwartung an die Religion ist ja, dass man bestätigt wird.
Du bist o.k., du bist schon recht ! Deshalb haben wir mit Weihnachten unsere Schwierigkeiten, denn Weihnachten ist eine Radikalkur, die an die Ursachen
unserer Schwierigkeiten geht. Und es ist merkwürdig, das wie bei einem hoffnungslosen Stadtstreicher, die Radikalkur unerwünscht ist.

Wir alle haben ein unendliches Bedürfnis nach Trost, nach Bestätigung nach Streicheinheiten und im Grunde, trotz aller Fehler die wir haben, wir wollen bestätigt werden. Dann kriegen wir ein Problem mit Weihnachten. Schaut mal in die Weihnachtsgeschichte rein. Es ist die spannernste Geschichte die es gab, die wir da lesen können in diesen Tagen. Für Deutsche ist Weihnachten ist hier deutsch untypisch, denn Weihnachten ist nicht gemütlich.
Da werden die Leute durch die Gegend gejagt wegen irgendwelcher bescheuerten
Steuerschätzungen, wegen der Habgier der Regierung, die immer schon in die Taschen der Bürger griff, schon damals heftig und deswegen schon deswegen eine hochschwangere Frau durch halb Israel ziehen musste, das auf recht unbequeme Art um an den Ort zu reisen an dem sie registriert worden war.
Bürokraten waren da gnadenlos. Du musst registriert werden, sonst lebst du nicht
und dann wirst du abgezockt. Das war total ungemütlich in dieser Situation und kein
kümmert sich darum. Knete hatten sie auch keine und eine Bleibe hatten sie auch nicht. Die ganze Geschichte ist bekannt und auch, dass sie zum Schluss in irgendeiner Garage geparkt wurden. Auch auf dem Feld, bei den Hirten ist es ganz ungemütlich.
Das waren die Rocker der damaligen Zeit, in der Gesellschaft.
Auch im gemütlichen Deutschland haben wir die Hirten, die Blockflöte spielen und Gedichte vortragen. In Israel aber waren Hirten Rocker. Wenn die durch die Stadt zogen wurden die Blendlichten zugemacht, die Türen abgeschlossen.
Das waren die Randgruppen der Gesellschaft. Das waren die Gesetzlosen, die lebten mit der kommunalen Herde dort am Rande der Wüste, dass war eine ganz schwierige Truppe.
Es war überhaupt nichts gemütlich. Es pfiff, es hat gezogen.
Wenn irgendwas nicht in der Weihnachtsgeschichte vorkommt, dann Gemütlichkeit.

Weder politisch, noch wirtschaftlich, auch nicht familiär, sehr ungewöhnliche Verhältnisse zwischen Maria und Josef, hygienisch sowieso nicht. Wer würde sein Kind in einen Fresstrog für Vieh legen, da kannst du ja gleich nur krank werden.

Kommt euch diese Welt nicht irgendwie bekannt vor?
Wenn irgend etwas typepisch für die Weihnachtszeit  sein sollte, dann ist es eine Welt in der es überhaupt nicht gemütlich ist, wirtschaftlich gnadenlos zu geht, in der Menschen getrieben werden die eigentlich schutzbedürftig sind, in dem es kein Zuhause gibt, dann ist das die größte Not.

Man muss doch irgendwo dazu gehören  und viele sind nirgendwo zu Hause.

Im nahezu vollbesetzten neuen Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen
Gemeinde (Baptisten), Mittelstraße, hörten viele Jugendliche des CVJM, die dort als
Gäste ihren adventlichten  Logo – Gottesdienst feierten dieser Predigt zu.

Eindringlich erinnerte der Generalsekretär des CVJM und ProChrist Leiter Pfarrer Ulrich Parzany  an den ursprünglichen Sinn des Festes, des jährlich neu gefeierten
Geburtstages unseres Erlösers. Er der das Licht in die Finsternis der Welt brachte und der der Begründer des Christentums ist, mit Namen Jesus Christus.
Erinnerung an einen Gott, der seinen Sohn gab weil er die Menschen so sehr liebte
und noch heute liebt.
Bedauerlich das vielerorts die Kirchentüren bereits an den beiden Weihnachtsfeiertagen verschlossen sind. Dies in einer Zeit , in der die Menschen sosehr auf Hoffnung und Perspektiven in ihrem Leben angewiesen sind.
Drei Gottesdienste jeden Sonntag, und einmal täglich seien hier angezeigt, damit die notleidende Menschen den Weg aus ihrer inneren Verzweiflung herausfänden.

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